„Besondere Aufbauorganisation“ (BAO)/ „Bosporus“

Die „Besondere Aufbauorganisation“ (BAO) mit der Bezeichnung „Bosporus“ war beim Polizeipräsidium Mittelfranken Nürnberg angesiedelt und arbeitete vom 1. Juli 2005 bis zum 31. Januar 2008. Sie beschäftigte am 1. Juni 2006 sechzig Beamte. Bis Ende 2005 wurden Hinweise auf Neonazis ignoriert und ausschließlich in Richtung „Organisierte Kriminalität“ ermittelt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits sieben Menschen ausländischer Herkunft mit derselben Waffe ermordet worden. Gegen die Naziszene, die erst sehr spät ins Visier der Ermittlungen geriet, wurde phantasielos und halbherzig vorgegangen. Rassismus und Vorurteile prägten die polizeilichen Ermittlungen. Gegen die Opferfamilien wurden verdeckte Ermittler eingesetzt, in Nürnberg und München fingierte Döner-Imbisse betrieben. Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz lehnte es am 20. Juli 2006 ab, der BAO die „Daten aller Rechtsextremisten in Bayern“ zu geben. Nach monatelangem Zögern wurden lediglich 682 Rechtsextreme im Großraum Nürnberg mitgeteilt. Neben Alibiüberprüfungen bei nur 161 Personen wurden Gefährderansprachen bei neun Szenegrößen durchgeführt. Danach wurde die BAO personalmäßig stark verkleinert. Anfang 2008 wurde die Sonderkommission dann auf neun Beamte reduziert.

Externe Quelle (Links):

Nordbayern.de vom 1.2.2008: „Dönermorde: Die Soko wird erheblich verkleinert“,
https://www.nordbayern.de/2.5886/donermorde-die-soko-wird-erheblich-verkleinert-1.938623 [Aufruf 7.9.2021]
Schlussbericht des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses vom 10.7.2013, Bayerischer Landtag, 16. Wahlperiode Drucksache 16/17740, S. 100 ff., 105, 106, 108, 109, 116
Internetseite: https://www.bayern.landtag.de/fileadmin/images/content/NEU_Drs_16-17740_NSU_FINAL_18072013.pdf [Aufruf 7.9.2021]

Mair, Birgit: Die Opfer des NSU und die Aufarbeitung der Verbrechen (5. aktualisierte und erweiterte Auflage 2021) Nürnberg, S. 68 ff.

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01.07.2005-31.01.2008